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Spiritualität wird im Alltag oft missverstanden oder voreilig in eine übersinnliche, absonderliche Ecke gedrängt. Dabei ist sie eine zutiefst menschliche Geistigkeit – eine Haltung, die uns für eine höhere Wirklichkeit, die Transzendenz und das Universelle öffnet. Sie verlangt keine Abkehr von der modernen Welt, denn echte Geistigkeit schließt technische Dinge niemals aus. Sie bewertet nicht und urteilt nicht. Wahre Spiritualität entfaltet sich in der Stille, ganz ohne Dogmen oder den Drang, andere Menschen zu beeinflussen. Sie entspringt nicht dem rationalen Verstand, sondern dem reinen Fühlen. Als Kinder besaßen wir diese unmittelbare Verbindung zum Sein ganz natürlich. Doch im Laufe des Lebens und durch unsere Erfahrungen rückte sie in den Hintergrund. Umso wichtiger ist es, im Erwachsenenleben bewusste Räume zu schaffen, die dieses Lebensgefühl wieder an die Oberfläche holen.
In unserer heutigen, materiell fixierten Welt suchen wir Sicherheit im Besitz von Geld und Wertgegenständen. Doch dieses unersättliche Verlangen entspringt letztlich einer tief sitzenden Angst vor Verlust, die mit der Angst vor dem Vergehen der eigenen Identität gekoppelt ist. Der Verstand versucht auf dieser Ebene, die Symptome der Angst zu lindern, übersieht dabei aber die innere, objektlose Welt der Gefühle. Genau hier setzt das schöpferische Handeln an. Wenn wir mit Leidenschaft in der Natur verweilen und sie aufmerksam beobachten, schulen wir unsere geistige Komponente völlig frei von Druck und Zwang. Die kreative Energie und der Enthusiasmus, die beim Erschaffen eines Kunstwerks entstehen, bringen die formlose Innenwelt mit der materiellen Außenwelt in ein heilsames Gleichgewicht.
Die Fotografie erweist sich dabei als ein wunderbares Medium der Gegenwärtigkeit. Die Kunst der klassischen ZEN-Fotografie basiert auf der reinen Absichtslosigkeit und dem Nicht-Anhaften an äußeren Dingen – ein Zustand, den man als Sehen ohne zu denken beschreiben kann. Doch das Fotografieren an sich ist immer an ein Objekt gebunden. Daher plädiere ich für einen interdisziplinären Weg, der Tradition und Moderne vereint. Die Kamera ist ein Werkzeug dieser Welt, und die Freude an der Technik darf voll und ganz gelebt werden. Es geht vielmehr darum, das Sehen vom bewertenden Denken zu befreien und die Informationen unserer Sinne einfach fließen zu lassen. Das Erlangen von Präsenz im Hier und Jetzt erlaubt es uns zudem, Sorgen und Lasten an die Natur abzugeben. Sie hört im Stillen zu, nimmt diese Energien auf und wandelt sie in positive Kraft um. Diese schöpferische Kraft des Sehens war schon alten Völkern bewusst, deren traditionelle Baukunst wie ein Transportmedium für Geschichten und Emotionen aus dem Leben wirkte.
Um diese Qualität in der heutigen Zeit zu erfahren, hilft uns das bewusste Zusammenführen unterschiedlicher Disziplinen. Altes seelisches Wissen aus östlichen Lehren, die Schriften großer Denker sowie die Erkenntnisse der modernen Quantenphysik begegnen sich auf einer gemeinsamen Ebene der unsichtbaren Energien. Diese Ganzheitlichkeit lässt sich in der Natur durch vier Phasen praktizieren – ich nenne Sie die vier Fotozeiten | Gehzeit – Ruhezeit – Kreativzeit – Emotionszeit . Entscheidend bleibt eine bejahende, wohlwollende Haltung gegenüber allem, was in diesem einen Moment ist. Wenn wir immer wieder bewusst die Einsamkeit in der Bergwelt suchen, spiegelt sich das Innere im Äußeren. Aus diesem stillen Dialog entsteht eine tiefe Bewusstheit, die uns Besonnenheit, Ruhe und dauerhafte Zufriedenheit schenkt.